Gelungenes Selbstmanagement für eine größere Lebenszufriedenheit

Das kreative Chaos im Beruf

Viele Menschen suchen heute nach Möglichkeiten, ihr Leben nach eigenen Wünschen im Sinne einer ausgeglichenen Work-life-balance - auch im Sinne von Selbstverwirklichung - zu gestalten. Sie wollen anspruchsvolle selbstgesteckte - oder von anderen vorgegebene Ziele, denen sie zustimmen - erreichen und möglichst effektiv und erfolgreich sein. Im Coaching für kreative Berufe geht es nun speziell darum, dem Klienten keine allgemeinen Rezepte oder Standardlösungen aufzuzeigen, sondern  gemeinsam mit ihm auf seine persönliche Lebens- und Arbeitssituation abgestimmte Vorgehensweisen zu erarbeiten. Gerade Künstler tun sich manchmal etwas schwer damit, planvoll vorzugehen., weil sie befürchten, dass ihnen dadurch der Zugang zur Inspiration verloren geht.

Als Diplompsychologin habe ich selbst viele Jahre lang in meiner freiberuflichen Praxis auch Angehörige kreativer Berufe gecoacht und kenne mit deren Freud und Leid im Berufsalltag gut aus. Hier finden Sie im Folgenden einige wertvolle psychologische Tipps und Hinweise, die Sie dazu anregen können, Ihr Selbstmanagement noch weiter auszubauen, um darüber zu einer größeren Lebenszufridenheit zu gelangen.

Ziele eines erfolgreiches Selbstmanagements

  • Mehr Lebenszufriedenheit und Erfolg zu finden, weil eigene Ziele konsequent verfolgt und erreicht wurden
  • Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben zu schaffen
  • die Vermeidung bzw. die Verminderung von Stess
  • Höhere Effizienz durch den Einsatz bewährter Zeitmanagement- und anderer Organisationstechniken

Vermutlich hat sich jeder Mensch irgendwann einmal im Leben etwas vorgenommen, was er ändern möchte, etwa weniger essen, weniger Alkohol trinken, weniger rauchen. Doch viele dieser guten Vorsätze schlagen fehl. Die psychologische Forschung hat sich mit dem Scheitern der Selbstregulierung beschäftigt und dabei zwei wesentliche Spielarten der Gründe für das Scheitern  gefunden: falscher Einsatz und ungenügender Einsatz. Im Folgenden finden Sie hilfreiche Tipps, um das eigene Selbstmanagement zu verbessern.

Falscher oder ungenügender Einsatz der eigenen Power

Aufgrund falscher Annahmen über sich selbst und die Welt werden Ihre eigenen Kräfte zur Selbstregulation oft unpassend eingesetzt. Dabei führen vier Probleme in der Regel zu einem Misserfolg.

  1. Menschen investieren ihre Zeit und ihre Energie beharrlich in Projekte und Ziele, um deren Aussichtslosigkeit und Unerreichbarkeit sie wissen müssten, genau wie ein Liebhaber, der seine ferne Angebete nie erobern wird. Würden die Betreffenden über die schlechten Chancen informiert werden, dann würden sie ihre Versuche rasch aufgeben. Ohne diese Informationen jedoch mühen sie sich oft - und manchmal ein Leben lang - damit ab, einem Trugbild hinterher zu eilen. Finden Sie realistische Ziele!
  2. Die Illusion, Dinge kontrollieren zu können, die der Mensch nicht kontrollieren kann, ist ebenfalls sehr verbreitet. Dazu gehört u.a. die Beeinflussung von Gefühlen und Stimmungen. In der Regel ist dies nicht im direkten Zugriff und "auf Befehl" möglich, sondern bedarf meist erst einer Psychotherapie, die zu einer anderen Lebenseinstellung führen kann und damit dann erst Einfluss auf die Emotions- und Stimmungsveränderung nimmt. Auch das von Laien häufig empfohlene "Herauslassen von negativen Gefühlen " wie Ärger, Empörung etc. führt nicht unbedingt zu einer Entlastung und Veränderung der Stimmungslage, sondern verstärkt den negativen Anteil sogar noch. Lernen Sie zu unterscheiden, was in Ihrer Macht liegt und was nicht!
  3. Die Annahme, andere Menschen wären für das eigene persönliche Wohlergehen verantwortlich zu machen, führt dazu, dass die kreative Energie blockiert wird. Leider lassen sich Menschen häufig in überflüssige Konflikte mit ihren Mitmenschen verwickeln und gehen auf deren Provokationen ein, um sich dann kräftemäßig daran "abzuarbeiten". Achten Sie genau darauf, was Ihnen persönlich gut tut und was nicht.
  4. Häufig sind auch falsch gesetzte Akzente die Ursache für eine mangelhafte Selbstregulation: Viele Menschen konzentrieren sich in belastenden Situationen viel zu sehr auf den Stressaspekt. Sie verbringen viel Zeit, Geld und Kraft damit, sich in eine gute Stimmung zu versetzen um erst danach die ungeliebte Arbeit zu erledigen. Durch diese Verzögerungsstrategie bleibt die Arbeit jedoch unerledigt liegen und steigert damit noch die vorhandenen Probleme im Leben des Betreffenden. Üben Sie sich häppchenweise in Selbstdisziplin und erledigen Sie in Zukunft zuerst eine ungeliebte Aufgabe, bevor Sie sich angenehmeren Beschäftigungen widmen - auch wenn Sie "keine Lust dazu haben"...

Bewährte Grundsätze zum Thema "Ziele" im Selbstmanagement

  • Ziele sollten schriftlich festgehalten werden
  • Ziele sollten konkret formuliert werden
  • Ziele sollten mit einem Termin versehen werden
  • Ziele sollten Sie motivieren und herausfordern
  • Ziele sollten mit Ihren anderen Zielen vereinbar sein
  • Ziele sollten flexibel sein
  • Ziele sollten erreichbar sein

Der Nutzen von Planung

Ein Holzfäller beginnt an einem neuen Arbeitsplatz. Voller Eifer startet er den neuen Job und fällt am ersten Tag mehr Bäume als je irgendjemand auf der ganzen Welt zuvor an einem Tag gefällt hat. Am zweiten Tag erhöht er noch seine Anstrengungen, aber er schafft nur drei Viertel der Bäume, die er am ersten Tag gefällt hat. Voller Ehrgeiz geht er am dritten Tag an seine Leistungsgrenzen, doch fällt er nur noch die Hälfte der Bäume vom 1. Tag. Ein anderer Holzfäller, der seine Arbeitsweise beobachtet hat, fragt ihn schließlich, wann er denn zuletzt seine Axt geschliffen habe. Der Holtzfäller antortet unwirsch, dass er dafür keine Zeit hätte, weil er Bäume fällen müsse.

Warum ist Planung so wichtig? Viele Menschen fangen erst dann zu planen an, wenn sich Berge von unerledigten Aufgaben und Verpflichtungen vor ihnen stapeln. Dies ist jedoch der falsche Zeitpunkt: Eine vorherige und  regelmäßige Planung verhindert, dass sich Unerledigtes vor Ihnen auftürmt, dass Sie in Zeitnot und Stress geraten sowie eine niedrige Erfolgsquote erlangen.

Die psychologische Forschung hat herausgefunden, dass das Thema "Planung" bei vielen Menschen auf innere Widerstände stößt. So sollten diese Widerstände etwa im Management-Training, im beruflichen Coaching oder im privaten Bereich rechtzeitig vorher besprochen und behandelt werden, bevor etwa geeignete Arbeits- und Zeitmanagementmethoden vermittelt und ausprobiert werden.

4 weit verbreitete Widerstände gegen Planung

Widerstand 1: Sie erkennen das Problem nicht

Viele Menschen lehnen eine gründliche Planung grundsätzlich ab und verweisen darauf, dass sie auch ohne Planung erfolgreich waren und dass bisherige Herangehensweisen doch bewährt seien. ("Das haben wir schon immer so gemacht."). Ihre bisherige Arbeitsweise halten sie für richtig und vermuten die Ursachen von Stress und Zeitnot in einem anderen Bereich ihrer Berufstätigkeit. Dabei übersehen sie häufig, dass sie in einer höchst komplexen und manchmal äußerst unübersichtlichen Berufswelt leben, die sich immer wieder verändert und Anpassungsleistungen fordert. Insbesondere durch die sogenannte "digitale Revolution" entsteht der Druck, jederzeit erreichbar  zu sein und "reagieren zu müssen", auch wenn gar kein Handlungsbedarf besteht.

Widerstand 2: Sie sind nicht wirklich überzeugt vom Wert der Planung

Theoretisch sind diese Menschen durchaus dafür zu begeistern, dass Planung ihnen einen Nutzen bringt. Geht es jedoch um die Praxis - und vor allem, um die stetige regelmäßige Planungspraxis, dann scheuen sie davor zurück und finden viele Ausflüchte, nicht damit beginnen zu müssen. Doch was ist der Grund für dieses Verhalten? Diesen Menschen fehlt die Überzeugung, dass Planung wirklich positive Veränderungen in ihrem Beruf und Alltag bewirken. Halbherzige Versuche in der Vergangenheit, ihre Zeit zu planen, die jedoch nicht konsequent durchgehalten wurden, führten dazu, dass sich keine positiven Ergebnisse einstellten. Und daher trauen sie dem Wert der Planung nicht.

Widerstand 3: Sie sträuben sich gegen Veränderung

Das eigene Verhalten in Frage zu stellen fällt vielen Menschen schwer. Aus ihrer Sicht sind vorwiegend andere Menschen die Verursacher von Problemen, nicht aber sie selbst. Aus diesem Grund kommen sie auch nicht auf die Idee, nach Lösungen zu suchen, die beim eigenen Verhalten ansetzen, schuld sind in der Regel die anderen. Ganz besonders schwer fällt es Angehörigen künstlerischer und kreativer Berufe, sich mit dem Thema "Planung" auseinanderzusetzen, da sie befürchten, ihre Spontaneität und  Kreativität zu verlieren, wenn sie nach einem Plan leben. Dabei übersehen sie, dass sie dadurch schnell den Überblick über ihr Leben verlieren und dann andere und nicht sie selbst über ihr Leben bestimmen.

Widerstand 4: Sie wollen sich keine Zeit für Planung nehmen

Viele Menschen halten eine Planungszeit, etwa am Vorabend des kommenden Arbeitstages, für überflüssig. Auch mittelfristige Planungen wie etwa eine Wochen- oder Monatsplanung ist ihnen fremd. Diese Einstellung jedoch führt dazu, dass Aufgaben nicht gründlich vorbereitet werden und dadurch deren Fertigstellung verlängert wird. Nur durch eine Auszeit für Planung, in der sie sich u.a. die notwendigen Teilschritte ihrer angestrebten Ziele gedanklich vergegenwärtigen, wird effektives Arbeiten erst möglich.

Vorteile von Planung

Vielleicht lassen sich die inneren Widerstände gegenüber dem Thema "Planung" aus dem Wege räumen, wenn Sie sich folgende Vorteile einmal anschauen:

  1. Sie selbst treffen die Entscheidungen und behalten die Kontrolle über Ihre Zeit.
  2. Wichtige Aufgaben werden nicht länger zugunsten dringender Aufgaben vernachlässigt.
  3. Sie konzentrieren sich auf erfolgversprechende Aufgaben und vermindern Tätigkeiten, die mit weniger wichtigen Ergebnissen verbunden sind.

Arbeitsmethoden für Angehörige kreativer Berufe

Ursprünglich war das berufliche Coaching stark auf das Selbstmanagement von Fach- und Führungskräften ausgerichtet. Ich empfehle - aus der jahrelangen Erfahrung mit Klienten aus diesem Berufsfeld heraus - viele dieser Vorgehensweise auch für die Angehörigen kreativer Berufe, die ja oft als Solo-Selbstständige oder als Mittarbeiterinnen und Mitarbeiter in kleinen Unternehmen arbeiten. Um kreativ arbeiten zu können, müssen Sie sich "den Rücken frei halten", was die oft lästige Alltagsorganisation betrifft, die Sie vom kreativen Schaffen abhalten könnte. Wer etwa stundenlang nach seinen Werkzeugen, wichtigen Unterlagen oder nach seinen Dateien im Rechner suchen muss, der vergeudet wertvolle Zeit, die er oder sie spannender verbringen könnte. Nutzen Sie daher diverse für Sie neue Arbeitsmethoden und erleichtern Sie sich damit den Berufs- und den privaten Alltag.

  • Planungsmethoden
  • Prioritäten-Analysen
  • Zeitdiebe-Analysen
  • Optimale Tagesgestaltung
  • Zeitplaner
  • Schreibtischorganisation
  • Ablage
  • Checklisten
  • Eigene Büroorganisation
  • Arbeitstechniken für Besprechungen und Konferenzen
  • Arbeitstechniken zum Delegieren
  • Positives Denken als Mittel zur Stressreduktion
  • Belohnungen
  • Freude im Alltag
  • Erfolgskontrolle
  • Wertschätzung vom Erfolg

Geduld mit sich selbst

In der Regel lassen sich neue Verhaltensweisen nicht von heute auf morgen etablieren. Dauerhafte Veränderungen in der Persönlichkeitsententwicklung lassen sich nur durch die Veränderung Ihrer eingefahrenen Gewohnheiten erreichen. Mit einer gewissen Selbstdisziplin können Sie sich sowohl schlechte Gewohnheiten abgewöhnen, als auch förderliche Gewohnheiten einüben. Gute Gewohnheiten sparen in der Regel Zeit und führen zu höherer Lebenszufriedenheit, schlechte Gewohnheiten kosten Zeit und machen Sie unglücklich. Geben Sie sich Raum und Zeit, um neue, für Sie förderliche Gewohnheiten zu entwickeln. Die psychologische Forschung hat festgestellt, dass es ungefähr sechs bis acht Wochen dauert, bis Sie eine neue Angewohnheit gründlich eingeübt haben, sodass sie Ihnen "in Fleisch und Blut" übergeht. Nutzen Sie die Erkenntnisse der Positiven Psychologie, um Ihr Selbstmanagement zu verbessern, Ihre Resilienz zu stärken und um neue, für Sie und Ihre Work-life-balance förderliche Verhaltensweisen einzuüben.

Nicht nur heutzutage, sondern auch in vergangenen Zeiten haben sich Menschen Gedanken zu ihren persönlichen Eigenarten gemacht. Ein wunderbares Zeitdokument ist das Gebet der Theresa von Avila (1515 bis 1582), die - durchaus humorvoll, anschaulich und detailliert  - ihren Herrgott darum bittet, dass ihre schlechten Eigenschaften nicht allzu viel Raum in ihrem Leben einnehmen mögen. Ihre Bitten lassen sich auch heute sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich gut nachvollziehen.

 

Bei Interesse lesen Sie gerne "STEH AUF MENSCH! Über den kreativen Umgang mit Krisen und misserfolg. Das Praxishandbuch" oder eines meiner anderen Bücher. Viel Vergnügen!

 

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