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Coaching und Selbstcoaching

Kritik am Coaching-Begriff

Der Begriff des Coaching wird mittlerweile "inflationär" eingesetzt - vieles, was früher schlicht und einfach Beratung hieß, wird heute als schickes "Coaching" bezeichnet. Ursprünglich stammt das Wort aus dem Berufssport und sollte die Persönlichkeit des Mannschaftssportlers oder des Einzelkämpfers optimal entwickeln, um Höchstleistungen zu erreichen. In Deutschland wurde dieser Begriff in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts u.a. von der Diplompsychologin Dr. Astrid Schreyögg durch zahlreiche Publikationen bekannt gemacht. Nun ging es um die Professionalisierung von Führungskräften, was ihre persönlichen - gerade auch auch psychologischen Fähigkeiten - betraf. Seit dieser Zeit bietet Frau Dr. Schreyögg - sozusagen in ihrer Pioniersfunktion - an der Deutschen Psychologen Akademie auch eine entsprechende Coaching- Ausbildung für Psychologen und andere Akademiker an. Nach wie vor ist es meineserachten wichtig, diesen Begriff auf die Professionalisierung und Weiterentwicklung der beruflichen Persönlichkeit zu beziehen. Dadurch gewinnen Bezeichnungen wie "Schüler-Coach", "Gesundheits-Coach" und "Styling-Coach" einen eigenartigen Beigeschmack, da sie die Funktion des Nachhilfelehrer, der Ernährungsberaterin oder der Damenoberbekleidungs-Verkäuferin werblich aufpeppen.

Aus diesem Grund gebe ich Ihnen erst einmal einen kleinen Überblick darüber, was das "echte" Coaching überhaupt ist.

Was Coaching zu bieten hat:

Coaching ist eine psychologische Beratungsform, in der  - jeweils themenbezogen und zwischen Klienten und Coach vereinbart - Folgendes erarbeitet wird:

Coaching unterstützt das Selbstmanagement der Klienten und stellt eine Hilfe zur Selbsthilfe dar. Coaching bezieht sich vorwiegend auf die Professionalisierung der Berufsrolle der Klienten und macht sie für die Bewältigung ihrer tagtäglichen beruflichen Herausforderungen, gerade in anspruchvollen und kreativen Berufen, fit.  Die etwa ein bis zweistündigen Sitzungen können allerdings auch private Themen streifen wie etwa bei der Work-Life-Balance - dem Verhältnis von beruflichem und privatem Leben zueinander - oder das Training des Selbstbewusstseins, das ja auch im persönlichen privaten Umfeld eine große Rolle spielt. Coaching als Beratungsform ist ausdrücklich keine Therapie, ist also nicht im klinischen Bereich der Psychologie angesiedelt, sondern versteht sich als ausdrücklich als Verfahren zur Persönlichkeitsentwicklung in beruflichen Zusammenhängen.

Coaching versteht sich nicht als "heilendes Verfahren" und setzt auch keine "klinischen Diagnosen" voraus. Coaching sollte in der Regel nicht parallel zu eine Psychotherapie eingesetzt werden, kann aber nach einer abgeschlossenen Psychotherapie durchaus nützlich sein. In jedem Fall ist vorher abzukläten, ob sich eine zukünftige Klientin oder ein zukünftiger Klient zur Zeit von einem Psychotherapeuten behandeln lässt und wie dieser die Gesamtsituation einschätzt.

Worin sich Coaching von Beratung unterscheidet:

Coaching, insbesondere für kreative Persönlichkeiten, unterstützt die Klienten in ihrer  Persönlichkeitsentwicklung, indem der Coach vorwiegend non-direktive Verfahren einsetzt, um den Klienten zu psychologischem Erkenntnisgewinn zu leiten. Der Coach verzichtet auf Ratschläge, Anweisungen, Vorschriften und Direktiven, wie sie häufig in Beratungen verwendet werden (etwa in der Steuer- oder Rechtsberatung) und bietet vielseitige - vorwiegend psychologische - Klärungshilfen an, um individuelle, interaktions- und  systembezogene Sichtweisen innerhalb der eigenen Organisation, dem eigenen Einzelunternehmen oder der künstlerischen Selbstständigkeit zu verstehen. Allein die Klientin oder der Klient übernimmt die Verantwortung für die Umsetzung ihrer oder seiner Erkenntnisse. Klienten bekommen keine fertigen Lösungen vom Coach, sondern sie entwickelt zusammen mit dem Coach maßgeschneiderte Problemlösungsansätze, die sie selbst im beruflichen Alltag ausprobieren.   Dadurch erweitern sie ihre Handlungsspielräume und lernen, sich in für sie neue Situationen zu bewähren. Coaching ist damit ein maßgeschneidertes individuelles Selbstmanagement-Training im geschützen Raum und verzichtet auf die Öffentlichkeit von Gruppenveranstaltungen.

Worin sich Coaching von Supervision unterscheidet:

  1. Supervision wurde ursprünglich in den USA als "clinical supervision" durch Lehrpsychotherapeuten den Festangestellten und Eherenamtlichen von Organisationen im Rahmen ihrer Psychotherapie-Ausbildung angeboten und gehörte verbindlich zum klinischen Fortbildungsprogramm.
  2. Sowohl in der Sozialarbeit als auch in der psychotherapeutischen Arbeit finden sich a) die Teamsupervision, die die zusammenarbeit im Arbeitsteam verbessern soll und u.a. vorhandene konflikte bewältigen hilft, als auch b) die Fallsupervision, die die externen Fälle von Teammitgliedern supervidiert. Diese Formen der Supervision werden in der Regel von externen Supervisoren durchgeführt.
  3. Mittlerweile wird Supervision auch von Nicht-Sozialarbeitern und nicht-Psychotherapeuten gewünscht: Berufstätige aus den unterschiedlichsten Berufsfelden nutzen Supervision als Fortbildungsmaßnahme im Rahmen der Personalentwicklung oder als Möglichkeit, sich vor dem Burnout zu schützen.

Coaching hingegen bedeutet ein Fitmachen der hoch qualifizierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen innerhalb der jeweiligen Profit- oder Non-Profit-Organisation, wobei organisationspsychologische und organisationssoziologische Gesichtspunkte ebenfalls eine Rolle spielen. Coaching soll zudem die Resilienz beziehungsweise die innere Widerstandskraft der Klienten stärken und sie befähigen, zukünftige Anforderungen überlegt und gelassen zu meistern. Insbesondere Führungskräfte nutzen das Coaching um die fünf wesentlichen Managementfunktionen, die sie in Arbeitszusammenhängen erfüllen sollen, in den Griff zu bekommen.

5 Managementfunktionen von Führungskräften

  1. Planungsfunktion (sowohl strategisch als auch operativ)
  2. Organisationsfunktion
  3. Personalfunktion (Personalplanung, Personalrekrutierung, Personalverwaltung, Personaleinsatz, Personalbeurteilung, Personalschulung)
  4. Personalführungsfunktion im engeren Sinne
  5. Kontrollfunktion

Coaching nur für Führungskräfte?

Coaching richtet sich mittlerweile nicht nur an Führungskräfte unterschiedlichster Hierarchieebenen (vom Vorarbeiter, Teamleiter, Abteilungsleiter etc. über das mittlere Management bis zur Geschäftsführung), sondern auch an Einzelunternehmer wie Existenzgründer, Selbstständige, Freiberufler und künstlerisch Tätige, also auch an Berufstätige, die keine Personalfunktion besitzen. Hier wird der Fokus auf die strategische und operative Planung, die Organisation und die Kontrolle gerichtet. Von den zuletzt genannten Zielgruppen wird in besonders hohem Maß Einfallsreichtum und Kreativität erwartet.

Anlässe von Coaching:

Zwei Arten von Anlässen lassen sich unterscheiden:

Was in einer Coaching-Sitzung geschieht

In einer Coaching-Sitzung findet im geschützten Rahmen unter vier Augen und Ohren ein Dialog zwischen dem Klienten - manchmal auch Coachee genannt - und dem Coach statt, dessen Inhalt sich um "Freud und Leid im Beruf" dreht: In der Regel hat der Klient ein großes Mitteilungsbedürfnis und nutzt diesen Freiraum vorerst, um sich seine Anliegen "von der Seele zu reden". Die Aufgabe des Coaches besteht dann u.a. darin, die Ziele des Klienten zu erfragen oder zu entwickeln, das Gespräch zu strukturieren und durch den Einsatz geeigneter Methoden neue zielführende Deutungs- und  Handlungsmuster zusammen mit dem Klienten zu erarbeiten, die zu seiner beruflichen Identität passen und die sein Selbstbewusstsein und sein Selbstwertgefühl unterstützen. Am Ende der Sitzung sollen für den Klienten konkrete nächste Schritte für seine Problemlösung vorhanden sein, die er etwa bis zur nächsten Coaching-Sitzung erledigen beziehungsweise ausführen sollte.

Das Besondere an meinem Verständnis von Coaching:

Ich selbst arbeitete jahrelang vorwiegend mit Zielgruppen, die beruflich oder privat ihren kreativen Anteilen einen großen Raum zubilligen oder zukünftig zubilligen wollen. Ich unterstützte im Coaching für Künstler und Kreative die Ausrichtung an ihren Stärken, indem ich sie auch dazu anhielt, "Goldgräberarbeit" im Sinne einer Potentialanalyse zu betreiben, d.h. sich immer wieder klar zu machen, was sie alles gut können (Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissen) und nicht, was sie (noch) nicht können. Dies entspricht auch dem theoretischen Gedankenansatz der Positiven Psychologie.

Ich  förderte Klienten in der realistischen Einschätzung ihrer Talente, indem ich sie immer wieder dazu anregte, Neues auszuprobieren, zu lernen und ihre Phantasie und ihr schöpferisches Denken mit dem logisch-analytischen Denken zu verknüpfen. Ich fühle mich Humanistischen Psychologie verpflichtet und nehme meinen Klienten gegenüber eine wertschätzende und empathische Haltung ein. Ich strukturierte und steuerte das Gespräch durch eine gezielte Gesprächsführung und verwendete dabei unter anderem Methoden zur Visualisierung wie das Anfertigen von Skribbles, die Arbeit mit Inszenario-Figuren sowie anschauliche sprachliche Analogien. Während jeder Sitzung fertigte ich für diejeweiligen Klienten ein handschriftliches Protokoll an, das diese am Ende der jeweiligen Sitzung als Kopie mit an die Hand bekamen, sodass für sie eine optimale Transparenz des Gesprächsverlaufes, der Einsichten/Erkenntnisse und der zu erledigenden Aufgaben entsteht. Inhalte der Gespräche wurden von mir nie digitalisiert, um den Datenschutz meiner Klienten zu gewährleisten.

Meine Qualifikation

Hier finden Sie einen kurzen Überblick über meine Qualifikation. Weitere Informationen über meinen beruflichen Werdegang stelle ich auf meiner Website "Kreatives-Management-Hamburg" vor.

  1. Abitur im wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Zweig, Hamburg
  2. Berufsfachschulkurs  "Die Frau als Führungskraft im haus- und landwirtschaftlichen Bereich" (Wöltingerode/Harz)
  3. Studium der Philosophie, Soziologie und Psychologie, Vordiplom Soziologie (Universität Hamburg)
  4. Dipl.-Psychologin mit Schwerpunkt "Pädagogische Psychologie/Beratung und Training" (Prof. Friedemann Schulz von Thun, Prof. Dr. Alexander Redlich, Universität Hamburg)
  5. Kreativitätstrainerin (Prof. Dr. Arthur J. Cropley, Universität Hamburg)
  6. Zertifizierte BWL-Sozialmanagerin (Weiterbildungsakademie Hamburg (WBA), Hamburg)
  7. Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologin (Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen - BDP, Sektion Wirtschaftspsychologie)
  8. Zertifizierte A.C.T.-Trainerin für Gesundheitsförderung (Dr. med. Lehmann, Deutsche Psychologen Akademie (DPA), Köln)
  9. Zertifizierte Coach für die Managementberatung (Dr. Astrid Schreyögg, Prof. Dr. Heidi Möller sowie Prof. Dr. Jörg Fengler (Deutsche Psychologen Akademie (DPA), Berlin)

Schwerpunkte des Coaching:

Von 1997 bis 2017 war ich als selbstständiger Coach und Trainerin im eigenen Beratungsbüro/Studio in Hamburg tätig. Hier finden Sie eine Übersicht über die Zielgruppen, mit denen ich zusammen gearbeitet habe:

Aus diesem Erfahrungsschatz heraus entwickelte ich als Autorin einige Publikationen mit einer Vielfalt von Methoden, die sich auch zum sogenannten Selbstcoaching eignen.

Was ist Selbstcoaching?

Auch ohne einen professionellen Coach können Sie sich mit dem sogenannten Selbstcoaching beruflich weiter entwickeln. Selbstcoaching heißt, aus eigenem Antrieb vorwiegend berufliche Herausforderungen zu bewältigen und selbstgesteckte Ziele zu erreichen, die Ihre Lebenszufriedenheit erhöhen, denn normalerweise verbringen wir Menschen den größten Teil unseres Lebens mit Arbeit. Wer das Selbstcoaching wählt ist nicht auf den Austausch mit einem professionellen Coach angewiesen und kann selbst bestimmen, wann und wo und wie oft sie oder er sich diesem Thema widmet. Allerdings eignet sich ein Selbstcoaching für diejenigen besonders gut, die schon einmal ein berufliches Coaching in Anspruch genommen haben, weil sie die Vorgehensweise kennen. Die Grundidee sowohl beim Coaching als auch beim Selbstcoaching dabei besteht  darin, Selbstreflektion - also das Nachdenken über sich selbst und die eigenen Handlungsweisen - zu betreiben, Erkenntnisse zu gewinnen und realisierbare Vorsätze umzusetzen.

Dabei kommen vielerlei Verfahren in Frage, um dieser Grundidee gerecht zu werden. Diese Verfahren - auch Coaching-Tools oder Coaching-Methoden genannt - können Sie überall im Internet oder in der Fachliteratur finden. Oder Sie reaktivieren diejenigen, die Sie aus vergangenen Coaching-Sitzungen kennen. Ohne nun Ihre speziellen Belange zu kennen, bieten sich unter anderem folgende Vorgehensweisen an:

Nutzen Sie also all diese Möglichkeiten, um sich beruflich weiter zu entwickeln. Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

 

Bei Interesse lesen Sie gerne "STEH AUF MENSCH! Über den kreativen Umgang mit Krisen und Misserfolg. Das Praxishandbuch" oder eines meiner anderen Bücher. Viel Vergnügen!

 

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