Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland

Frauen als Künstlerinnen und Erfinderinnen

Schon als kleines Mädchen wunderte ich mich darüber, dass in der Dichtkunst, der Schriftstellerei und besonders in der Malerei so wenige oder überhaupt keine "Klassikerinnen" auftauchten, von Komponistinnen und Erfinderinnen ganz zu schweigen. Frauen hatten es - zumindest bis zur französichen Revolution - sehr schwer, sich jenseits ihrer traditionellen Rolle als Haus- oder Landfrau und Mutter den kreativen Bereichen zu widmen, die den Männern vorbehalten waren. Ausnahmen stellten die wohlhabenden Damen dar, die sich nicht ständig um den täglichen Broterwerb und die Kindererziehung kümmern mussten. Außerdem war und ist es auch immer noch in einigen Bereichen üblich, dass Väter, Brüder, Ehemänner, Partner, Kollegen und Vorgesetzte sich mit "fremden Federn schmücken", die aus dem weiblichen Können sowie Wissens- und Ideenvorrat stammen. Und so steckte und steckt hinter manch einem hervorragenden Werk oder einer Erfindung eine ungenannte oder unerwähnte Frau - und wenn es nur das holde angetraute Weib, die wissenschaftliche Assistentin, die Volontärin oder die pfiffige Freundin aus Jugendtagen ist, die "mitgedacht hat". Die Geschichte der Frauenbewegung ist auch eine Geschichte der Anerkennung der "weiblichen Spezies", die es verdient hat, dass mann ihr auf Augenhöhe begegnet und ihre Urheberschaft akzeptiert.

Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland

Die Autonomiebestrebungen der Frauen in Deutschland wurden durch die Französische Revolution beeinflusst.

Freiheit - Gleichheit- Brüderlichkeit

  • 1789 Französische Revolution mit den Forderungen nach Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit.  In diesem Zusammenhang fordern die Frauenclubs, dass auch Frauen die vollen Bürgerrechte bekommen sollen, Frau und Mann gleichgestellt werden und man Frauen das Frauenstimmrecht gibt.
  • 1791 Die Schriftstellerin Olympe de Gouges verfasst die "Déclaration des droites de la femme et de la citoyenne" (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin), in der sie die volle rechtliche, politische und soziale Gleichstellung der Frau verlangt. In ihrem Text achtet sie darauf, dass sie stets die Begriffe  "Frau und Mann" und  "Bürgerin und Bürger" verwendet. Diese Schrift legt sie dann der französischen Nationalversammlung zur Verabschiedung vor. Außerdem verfasst sie einen Entwurf für einen "Gesellschaftsvertrag zwischen Mann und Frau", der die Eigentumsverhältnisse zwischen Verheirateten regeln soll. 1893 wird sie im Zuge der revolutionären Unruhen hingerichtet. Danach wird das Versammlungsverbot für Frauen erlassen und die Frauenclubs verboten.

Deutschland als Staatenbund (vor 1871)

  • 1850 Im § 8 des deutschen Vereinsgesetzes ist den politischen Vereinen die Aufnahme von Frauenspersonen, Schülern und Lehrlingen verboten. Auch dürfen solche Personen nicht an Veranstaltungen und Sitzungen teilnehmen, bei denen politische Gegenstände behandelt werden.
  • 1865 Die sozialkritische Schriftstellerin Louise Otto-Peters sowie andere Frauen gründen in Leibzig den (bürgerlichen) "Allgemeinen Deutschen Frauenverein". Ihre Forderungen lauten: Bildungsmöglichkeiten für Frauen, Recht und Anspruch auf bezahlte Arbeit und das Recht der freien Berufswahl.

Deutsches Kaiserreich (1871 - 1918)

  • 1878 In einer Novelle zur Gewerbeordnung wird der erste Ansatz eines Mutterschutzes festgelegt: Ein unbezahltes Beschäftigungsverbot für die Dauer von drei Wochen nach der Geburt.
  • 1882 In Hessen gründet Gertrud Guillaume-Schack - Verlegerin der ersten Zeitschrift für Arbeiterinnen "Die Staatsbürgerin" - die erste Kranken- und Sterbekasse für Frauen, die bald 119 Zweigstellen umfasst.
  • 1889 In Paris findet der Gründungskongress der II. Internationale statt: Ausrufung beziehungsweise Forderung des 8-Stunden-Arbeitstages. Auf Antrag von Emma Ihrer und Clara Zetkin erfolgt der Beschluss über die Gleichberechtigung der Frau. In Berlin wird der "Verband weiblicher Angestellter" gegründet.
  • 1891 Das 1. Arbeiterinnenschutzgesetz wird im Reichtstag verabschiedet: Frauenarbeit unter Tage wird verboten. Einführung des 11-Stundentages - d.h. eine Höchstarbeitszeit für Frauen über 16 Jahren auf 65 Wochenstunden -  sowie vier Wochen Mutterschutz nach der Entbindung. Während einer Rechstagssitzung am 12. März 1891 wird die Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium verweigert.
  • 1896 Ab jetzt dürfen sich Frauen als Gasthörerinnen an den Hochschulen und Universitäten aufhalten. Bis dahin war ihnen dies nicht gestattet.
  • 1897 Die Pädagogin Ida von Kortzfleisch richtet die erste wirtschaftliche Schule für haus- und landwirtschaftliche Frauenbildung in Nieder-Ofleiden (Hessen) ein. Sie plädiert für eine bürgerliche Bewegung parallel zur linken proletarischen Frauenbewegung, die sie über persönliche Kontakte zu einzelnen Frauenrechtlerinnen unterstützt.
  • 1900 Bisher durften Frauen kein Abitur machen. Das Großherzogtum Baden erlaubt als erstes Land, dass Mädchen eine höhere Jungenschule besuchen dürfen und sich an den Universitäten Freiburg und Heidelberg zu den gleichen Bedingungen wie die männlichen Studenten immatrikulieren lassen können.
  • 1900 Das bürgerliche Gesetzbuch (BGB) tritt in Kraft. Darin ist die Rechtsstellung der verheirateten Frau im Sinne einer patriarchischen Tradition geregelt: Dem Ehemann wird das alleinige Entscheidungsrecht in sämtlichen Angelegenheiten des Ehe- und Familienlebens zugesprochen.
  • 1901 Die erste Frau - Matilde Wagner - kann in Freiburg zum Doktor der Medizin promovieren.
  • 1908 Das neue Reichsvereingesetz erlaubt Frauen ab jetzt den Zutritt zu politischen Vereinen.
  • 1910 Internationale Frauenenkonferenz in Kopenhagen: Gründung des "Internationalen Frauentages" durch Clara Zetkin. Forderungen: 8-Stunden-Arbeitstag, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Urlaub für Schwangere und die Gleichstellung der Frau im Arbeitsschutzgesetz.

Weimarer Republik (1918 - 1933)

  • 1918 Frauen durften bisher nicht wählen und nicht gewählt werden. Jetzt erhalten sie das aktive und das passive Wahlrecht ab 20 Jahren. Dies wird am 01.08.1919 im Artikel 109 Abs. 2 der Weimarerer Verfassung festgelegt. Die neu gewählten Parlamentarierinnen führen die sogenannten Frauengesetze ein.
  • 1921 Bis jetzt durften Frauen keine Professur annehmen oder in der Lehre arbeiten. Nun erhalten sie das Habilitationrrecht.
  • 1922 Ab jetzt dürfen Frauen auch Rechtsanwältinnen und Richterinnen sein ("Frauengesetze" des Reichstags).
  • 1922 Einführung des Jugendwohlfahrtsgesetzes: Garantie des Kindes auf Erziehung, insbesondere auf Fürsorgeerziehung. Amtsvormundschaft bei unehelichen Kindern ("Frauengesetz" des Reichtags).
  • 1923 Die Chemikerin Margarete von Wrangell wird am 12. März die erste ordentliche Professorin in Deutschland. Sie erhält den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim bei Stuttgart.
  • 1924 Festlegung von Mindestlöhnen und  Sozialversicherung für Heimarbeiterinnen ("Frauengesetze" des Reichstags).
  • 1926 Milderung der Abtreibungsstrafe: Gefängnisstrafe statt Zuchthaus ("Frauengesetze" des Reichstags).
  • 1927 Erweiterung des Mutterschutzes und der Wöchnerinnenfürsorge (Frauengesetze" des Reichtags).
  • 1927 Prostitution wird straffrei, solange sie nicht gewerbsmäßig betrieben wurde. Abschaffung der Sittenpolizei mit ihren Sonderbefugnissen ("Frauengesetze" des Reichtags).

Nationalsozialistische Gewaltherrschaft (1933 - 1945)

  • 1933 Im Zuge der nationalsozialistischen Herrschaft: Erwerbseinschränkung für verheiratete Frauen, Verfügung eines Numerus Clausus für Studentinnen, Streichung des passiven Wahlrechtes, Streichung der Zulassung zur Habilitation an Hochschulen und Universitäten, Verbot bestimmter Berufe wie etwa technische oder wissenschaftliche Berufe, Empfängnisverhütung wird eingeschränkt, Abtreibung wird mit dem Tode bestraft.

Bundesrepublik Deutschland (1949 - 1990)

  • 1949 Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschlan tritt am 23. Mai in Kraft. Im Artikel 3 Absatz 2 Satz 1 steht seitdem: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Verheiratete Ehefrauen haben einen Anspruch auf ein "angemessenes Taschengeld", was sie von ihrer Rolle her mit den nicht geschäftsfähigen minderjährigen Kindern gleichstellt.
  • 1952 Erweiterung des Mutterschutzes: Erwerbstätige Mütter können nun 6 Wochen vor und nach der Geburt zuhause bleiben, während der gesamten Schwangerschaft brauchen sie keine schweren körperlichen Arbeiten mehr zu verrichten und nicht mehr im Akkord arbeiten. Stillenden Müttern muss der Arbeitgeber frei geben, Nacht- und Sonntagsarbeit sind verboten. Kündigungsschutz bis 4 Monate nach der Niederkunft.
  • 1954 Ab jetzt dürfen auch verheiratete Frauen im öffentlichen Dienst beschäftigt werden, was ihnen bisher verwehrt war (Ende des "Beamtinnen-Zölibats")
  • 1957 In Bayern wird auch  das "Lehrerinnen-Zölibat" aufgehoben.
  • 1957 Gleichberechtigungsgesetz: Frauen können ab jetzt ihr Vermögen in der Ehe selbst verwalten. Ihnen steht zudem die Hälfte des in der Ehe erwirtschafteten Gewinns zu. Sie dürfen auch den gemeinsamen Wohnsitz mitbestimmen und ab jetzt ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten gehen, solange sie deswegen nicht den Haushalt vernachlässigen (Hausfrauenehe). Bis dahin konnte der Ehemann das Dienstverhältnis seiner Frau fristlos kündigen. Der Gehorsamsparagraf gilt jetzt nicht mehr, der bis dahin bestimmte, dass die Ehefrau sich in sämtliche Eheangelegenheiten den Entscheidungen ihres Mannes unterzuordnen hatte. In Erziehungsfragen jedoch behält der Mann als Familienoberhaupt  immer noch das letzte Wort.
  • 1958 Frauen können unabhängig von der Genehmigung ihres Ehemannes oder Vaters den Führerschein machen.
  • 1961 Das Familienrechtsänderungsgestz tritt in Kraft. Dadurch wird die Rechtsstellung der Ehefrau in dem Fall verbessert, in dem der Ehemann wegen Zerrüttung der Ehe die Scheidung verlangt. Nun tritt die Unterhaltspflicht des Vaters grundsätzlich bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes in Kraft (vorher nur bis zum 16. Lebensjahr).
  • 1961 Die erste Bundesministerin in der Bundesrepublik Deutschland ist Elisabeth Schwarzkopf (CDU). Sie ist für das Ressort Gesundheitswesen zuständig.
  • 1962 Ehefrauen dürfen ab jetzt ein eigenes Bankkonto eröffnen. Dies durften sie zuvor nur dann, wenn der Ehemann zugestimmt hatte. Bis dahin hat er auch das alleinige  Recht, ihren Lohn zu verwalten.
  • 1962 Die Antibabypille kommt in der Bundesrepublik Deutschland auf den Markt.
  • 1965 Änderung des Mutterschutzes und der Reichsversicherungsordnung: Dazu gehört etwa das Beschäftiungsverbot bis zum Ablauf von 8 Wochen nach der Geburt, sowie bei Früh- und Mehrfachgeburten bis 12 Wochen. Die Mutter hat Anspruch auf ärztliche Vorsorgeuntersuchungen im Zusammenhang mit einer möglichen Schwangerschaft, Anspruch auf ärztliche Hilfe während der Schangerschaft und nach der Geburt sowie auf Hebammenhilfe.
  • 1968 Verbesserung des Mutterschutz-Gesetzes für erwerbstätige Mütter: Die Schutzfrist vor der Entbindung beträgt jetzt 6 Wochen.
  • 1969 Volle Geschäftsfähigkeit der verheirateten Frau.
  • 1969 Im Zuge der Strukturreform wurde in Westdeutschland flächendeckend die Koedukation eingeführt. Bis dahin wurden Mädchen und Jungen - bis auf erste Ansätze ab Mitte der Sechziger Jahre - voneinander getrennt unterrichtet.
  • 1970 Gesetz über die Stellung der unehelichen Kinder: Nun erhält die Mutter die alleinige elterliche Sorge. Der Unterhaltsanspruch des Kindes gegenüber dem Vater wird verbessert.
  • 1970 Aufhebung des Frauenfußballverbotes.
  • 1972 Die erste Präsidentin des deutschen Bundestages ist Annemarie Renger (SPD).
  • 1972 Rentenreformgesetz: Öffnung der Rentenversicherung für Hausfrauen sowie Einführung der flexiblen Altersgrenze.
  • 1974 Der § 218 besagt, dass der Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft straffrei ist (Fristenregelung).
  • 1975 Frauen, die in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, haben einen Anspruch auf individuelle ärztliche Beratung über Fragen der Empfängnisverhütung.
  • 1977 Die sog. Hausfrauenehe wird abgeschafft, in der die Ehefrau zur Haushaltsführung verpflichtet war. Bei Eheschließung kann jetzt auch der Nachname der Ehefrau gemeinsamer Nachname sein. Einführung des Versorgungsausgleiches, um die soziale Stellung der geschiedenen, nicht erwerbstätigen Frau zu sichern.
  • 1977 Das Schuldprinzip ("Zerrüttung") bei Scheidungen entfällt: Die Ehe kann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Zuvor hatte eine Frau, die ihren Mann verließ, weil er sie betrog oder schlug, weder einen Anspruch auf einen Unterhalt noch auf das Sorgerecht, da sie vor dem Gesetz "böswilliges Verhalten" gezeigt hatte.
  • 1979 Mutterschaftsurlaub: Berufstätige Mütter bekommen nach der Geburt einen viermonatigen Mutterschutzurlaub mit Lohnersatzleistungen aus Bundesmitteln bis zu 750 DM monatlich und Kündigungsschutz für diesen Zeitraum.
  • 1979 Polizeigesetz: AB jetzt dürfen Frauen in allen Bereichen der Polizei eingesetzt weren. Vorher durften Frauen nur als weibliche Kriminalpolizei (WKP) in Jugend- und Sittendezernaten Jugendliche und Prostituierte betreuen. Sie durften auch keine Waffen tragen.
  • 1980 Gesetz über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz: Gleichbehandlung am Arbeitsplatz als Rechtsanspruch sowie das Recht auf gleiches Entgelt, Stellenausschreibungen sollen geschlechtsneutral formuliert werden und der Arbeitsgeber muss bei einer Klage einer Arbeitnehmerin, dass sie aufgrund ihres Geschlechtes benachteiligt wird, die Beweislast tragen, dass dem nicht so sei.
  • 1980 Änderung der Bundeslaufbahnverordnung. Das Eintrittsaltr in den Öffentlichen Dienst wird für diejenigen Frauen erhöht, die wegen der Erziehung von Kindern ihre Ausbildung unterbrechen mussten.
  • 1980 Unterhaltsvorschussgesetz: Durch staatliche Sozialleistungen wird der Unterhalt alleinstehender Mütter (und Väter) durch Unterhaltsvorschüsse oder Ausfall-Leistungen gesichert.
  • 1984 Haushaltsbegleitgesetz: Die Wartezeit beim Altersruhegeld wird von 15 auf 5 Jahre (60 Monate) verkürzt, sodass auch bei wenigen Beschäftigungsjahren ein zumindest minimaler Rentenanspruch erzielt wird.
  • 1985 Beschäftigungsförderungsgesetz: Die Teilzeitarbeit wird der Vollzeitarbeit gleichgestellt, d.h. eine unterschiedliche Behandlung ist ab jetzt untersagt. Frauen, die wegen Kindererziehung zeitweise aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, wird der Zugang zu staatlichen Förderungen in Form von Umschulungen oder Fortbildungen erleichtert (Wiedereinsteigerinnen).
  • 1985 Das dritte Gesetz zur Änderung des Hochschulrahmengesetzes bestimmt, dass die Hochschulen künftig auf die Beseitigung der für Wissenschaftlerinnen bestehenden Nachteile hinwirken.
  • 1986 Gesetz über die Gewährung von Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub: Mütter oder Väter, die ihr Kind selbst betreuen, erhalten für 10 Monate ein Erziehungsgeld von 600 DM sowie eine Wiederbeschäftigungsgarantie.
  • 1986 Hinterbliebenenrente und Erziehungszeitengesetz: Mütter ab dem Jahrgang 1921 erhalten für jedes Kind in der gesetzlichen Rentenversicherung ein Versicherungsjahr rentenbegründend und rentensteigernd anerkannt. Frauen und Männer erhalten unter gleichen Voraussetzungen eine Hinterbliebenenrente.
  • 1987 Kindererziehungsleistungsgesetz: Die Erziehungsleistung von Müttern, die vor 1921 geboren sind, erhalten für jedes Kind, das sie lebend zur Welt gebracht haben, zusätzliche Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wiedervereinigtes Deutschland (seit 1990)

  • 1991 Die Bundeswehr eröffnet alle Laufbahnen des Sanitärdienstes und des Militärmusikdienstes für Frauen.
  • 1992 Die Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung wird von einem Jahr auf drei Jahre verlängert.
  • 1994 Zweites Gleichberechtigungsgesert: Förderung von Frauen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
  • 1994 Eine einheitliche Vorschrift im Strafgesetzbuch schützt Mädchen und Jungen unter 16 Jahren vor sexuellem Missbrauch unabhängig vom Geschlecht des Täters.
  • 1995 Das Schwangeren- und Familienhilfegesetz setzt die rechtliche Regelung des Schwangerschaftsabruchs um: Kernpunkt ist jetzt die verpflichtende Beratung einer Schwangeren in einer Not- oder Konfliktsituation.
  • 1996 Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz: Er gilt grundsätzlich für Kinder mit Vollendung des 3. Lebensjahres.
  • 1997 Die Vergewaltigung in der Ehe wird nach § 177 des Strafgesetzbuches strafbar, wenn sie durch Antrag angezeigt wird.
  • 1998 Ab jetzt unterscheidet das deutsche Recht nicht mehr zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Sie sind zudem auch gleich erbberechtigt. Die Amtspflegschaften des Jugendamtes wird abgeschafft.
  • 2001 Das letzte deutsche Berufsverbot für Frauen wird abgeschafft. Jetzt dürfen Frauen auch uneingeschränkt der Bundeswehr beitreten, inklusive Dienst an der Waffe.
  • 2001 Die Elternzeit tritt anstelle des Erziehungsurlaubs ein: Beide Eltern können nun zur gleichen Zeit Elternzeit nehmen und zusätzlich bis zu 30 Stunden wöchentlich arbeiten.
  • 2002 Gewaltschutzgesetz: Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen: Täter können von der gemeinsamen Wohnung weggewiesen und Gewaltschutzmaßnahmen wie etwa Kontakt- und Annäherungsverb.ote können ausgesprochen werden (Wegweisungsgesetz).
  • 2004 Nun wird die Vergewaltigung in der Ehe auch von Amts wegen strafrechtlich verfolgt. Vorher war dies nur möglich, wenn die Ehefrau Strafantrag gegen ihren Mann stellte.
  • 2005 Angela Merkel (CDU) wird erste deutsche Bundeskanzlerin
  • 2006 Gesetz gegen Psychoterror (Stalking).
  • 2006 Einrichtung der Antidiskriminierungsstelle im Zuge des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes AAG.
  • 2007 Das Bundeskabinett beschließt den "Zweiten Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen". Ziel ist es, Frauen in allen Lebenslagen und -bereichen nachhaltig vor Gewalt zu schützen.
  • 2007 Elterngeld: Für Kinder, die nach dem 01.01.2007 geboren werden, erhalten Mütter oder Väter, die die Betreuung selbst übernehmen, 12 - 14 Monate lang ein Elterngeld. Es beträgt je nach dem vorherigen Einkommen zwischen 65 und 67 Prozent des wegfallenden Nettoeinkommens. Mindestbetrag 300 Euro, Höchstbetrag 1.800 Euro pro Monat.
  • 2008 Start des Programms zur "Betrieblich unterstützen Kinderbetreuung" durch das Bundesminsterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
  • 2011 Start des Modellprojektes "Mehr Männer in Kitas".
  • 2011 Gesetz zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern. Nach diesem Gesetz liegt das alleinige Sorgerecht bei der Mutter, es sei denn, der Vater beantragt ein gemeinsames Sorgerecht. Die Gerichte entscheiden dann nach dem Wohl des Kindes.
  • 2013 Jetzt hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Tageseinrichtung oder in einer Kindertagespflege.
  • 2013 Arbeitsschutzgesetz-Änderung: Das ist neu - ab jetzt ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, auch eine Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz vorzunehmen: Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und psychische Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird.
  • 2013 Betreuungsgeld: Eltern, die die Betreuung ihres Kindes im zweiten und dritten Lebensjahr privat sicherstellen, erhalten ab 01.08, 2013 ein Betreuungsgld von 100 Euro monatlich.
  • 2014 Das monatliche Betreuungsgeld wird auf 150 Euro ab dem 01.08.2014 angehoben.
  • 2017 Anhebung des Mindestunterhaltes für Trennungskinder sowie Anhebung der Bezugsgrenze von bisher zwölf auf achtzehn Jahre.

Die ersten Nobelpreisträgerinnen weltweit

  • 1903 Marie Curie erhält als erste Frau den Noblpreis für Physik.
  • 1905 Berta von Suttner wird als erster Frau der Friedensnobelpreis. verliehen.
  • 1909 Die Schriftstellerin Selma Lagerlöf bekommt als erste Frau den Nobelpreis für Literatur.
  • 1911 Der Nobelpreis für Chemie geht erstmals an die weibliche Forscherin Marie Curie.
  • 1947 Gerty Cori wird als erste Frau mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie geehrt.
  • 2009 Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommt als erste Frau Elinor Ostrom.

Anspruch und Wirklichkeit - de jure und de facto

Vieles ist in den letzten 150 Jahren - zumindest auf dem Papier und im Vergleich zu vielen anderen Ländern - erreicht worden, was die Gleichstellung der Frau in Deutschland betrifft. Doch nach wie vor halten sich in der Partnerschaft, in der Familie, bei der Kindererziehung, am Arbeitsplatz, im Haushalt und in der Freizeit die patriarchalen Strukturen, die über Jahrtausende gewachsen sind und die "die Hälfte des Himmels" solange nicht ernst nehmen, solange sich Frauen nicht ganz bewusst und nachhaltig für ihre Autonomie einsetzen und männliche Verbündete finden.

Quellen: U.a. Geschichte der Gleichstellung - Chronik - Universität Bielefeld, Bundeszentrale für politische Bildung, Gabriele Meinhard: Geschichte der Frauen, EMMA.

 

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