Stehauf-Menschen und ihre unerschütterliche Resilienz

Coaching Hamburg mit der Positiven Psychologie

Es gibt Menschen, die an Krisen und Misserfolgen zerbrechen, und welche,  die Rückschläge und Niederlagen unbeschadet  überstehen. Letztere  verfügen über die Fähigkeit, die Resilienz genannt wird, was umgangssprachlich auch "innere Widerstandskraft" genannt werden kann. Sie sind wahre Überlebenskünstler und richten sich immer wieder auf.

Ich nenne diese Menschen "Stehauf-Menschen": Sie sind Individuen, die sich im Zusammenhang mit  Krisen und Misserfolg - also mit dem Nichterreichen von Zielen - weder von den eigenen beruflichen und privaten Vorhaben, noch von ihren ethisch-moralischen Werten und auch nicht von einer wertschätzenden Haltung sich selbst und anderen gegenüber abbringen lassen. Das Kinderspielzeug, das eine kleine Figur sich immer wieder aufrichten lässt, wenn man es schubst, wird Stehaufmännchen genannt. Ich habe mir damals 2006, bei den Vorarbeiteten zu meinem Buch "STEH AUF MENSCH! Über den kreativen Umgang mit Krisen und Misserfolg. Das Praxishandbuch" (zuerst verlegt 2008) daran gestört, dass damit die weibliche Hälfte der Menschheit nicht benannt wird - und kreierte kurzerhand den Begriff "Stehaufmenschen", der mittlerweile gerne für dieses Phönomen der Unverwüstlichkeit verwendet wird :-)

Die sogenannte Resilienzforschung als Teilbereichder Positiven Psychologie beschäftigt sich mit den Faktoren, die diese innere Widerstandskraft unterstützen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass Stehauf-Menschen über vielseitige kreative Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen. Dank ihrer Kreativität entwickeln  sie neue und ungewöhnliche Lösungswege, um auch in anscheinend ausweglosen Lebenssituationen wieder lebens- und überlebensfähig zu werden. Sie widmen sich ihrer Persönlichkeitsentwicklung durch eine bewusste Weiterentwicklung ihrer positiven Charakterzüge und Emotionen. Vielleicht kennen Sie die Bilder der 1907 geborenen Malerin Frida Kahlo, die die quälenden Details ihrer Krankengeschichte in bewegende Gemälde umsetzte, auf denen sie stets - umgeben von Symbolen des bohrenden Schmerzes - in stolzer Haltung zu sehen ist.

Ergebnisse der Resilienzforschung

Die Pionierin und Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner war die erste Forscherin, die das seelische Immunsystem von Kindern in einer Langzeitstudie untersuchte: Sie hat vierzig Jahre lang auf der Hawaii-Insel Kauai Kinder begleitet, die in misslichen sozialen Bedingungen aufwuchsen. (Werner, E. E. and R. Smith 1992 und 2001). Dazu gehörten die wirtschaftliche Notlage der Eltern, psychische Krankheit und Alkoholismus der Eltern, Missbrauch und Vernachlässigung der Kinder sowie Komplikationen bei der Geburt. Diese Kinder waren häufig mehreren Risiken ausgesetzt, was ihre Verwundbarkeit (Vulnerabilität) erhöhte.

Eine zweite Studie ging der Frage nach, wie sich Kinder aus Scheidungsfamilien im Leben bewähren, da die Scheidung der Eltern für Kinder immer einen besonders großer Familienstressor darstellt. Untersucht wurde daher, wie sich die Zerrüttung der Ehe der Eltern, die nachfolgende Wiederverheiratung eines Elternteils oder beider Elternteile und die Vermischug von Familien (Patchworkfamilien) langfristig auf die Kinder auswirken.

Ein dritter Untersuchungsansatz erforschte Individuen, die durch politische Gewalt und durch Kriege schwer traumatisiert worden sind und die diese Erlebnisse gut bewältigt haben.  Dazu gehörten Personen im mittleren Lebensalter, die als Kinder das Konzentrationslager überlebten (Moskowitz 1983)  oder Kinder, deren Mütter im griechischen Bürgerkrieg politische Gefangene gewesen waren (Dalianis 1994). Außerdem untersuchte man Jugendliche, die den jüngsten Bürgerkriegen in Afrika, dem Nahen Osten oder in Südostasien ausgesetzt waren (Shaw 2003).

Zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen, die in den Längsschnittstudien untersucht wurden, blieb der Zugang in ein erfolgreiches Leben vorerst verschlossen. Sie hatten Schul- und Drogenprobleme, zeigten massive  Lern- und Verhaltensprobleme (sie wurden z.B. äußerst aggressiv) und wurden bis zum Alter von 18 Jahren straffällig und/oder psychisch krank.

Doch ein Drittel dieser Risikokinder entwickelten bestimmte Eigenschaften und Strategien, die es ihnen erlaubten, nicht an den Umständen zu zerbrechen, sondern daran zu wachsen. Sie entwickelten sich zu kompetenten, selbstbewussten und fürsorglichen Erwachsenen, zeigten als Kinder oder als Jugendliche keine Lernschwierigkeiten oder Verhaltensdefizite. Sie schlossen die Schule erfolgreich ab, kamen mit ihrem privaten und gesellschaftlichen Leben gut zurecht und schätzten ihre schulischen und beruflichen Ziele und Erwartungen realistisch ein. Im Alter von 40 Jahren war keines dieser Risikokinder arbeitslos oder auf staatliche Fürsorge angewiesen und keines war mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Scheidungsrate, Sterblichkeitsrate und die Anzahl chronischer Gesundheitsprobleme lagen bei den Stehauf-Menschen im mittleren Lebensalter signifikant niedriger als bei den gleichaltrigen Personen gleichen Geschlechts. Außerdem waren ihre Leistungen im schulischen und beruflichen Bereich  denjenigen gegenüber, die in einem ökonomisch sichereren und stabileren häuslichen Umfeld  aufgewachsen waren, vergleichbar oder sogar überlegen.

Drei grundsätzliche Arten von  Resilienzfaktoren

Insgesamt fanden die Forscher 3 grundsätzliche Arten von Schutz- beziehungsweise Resilienzfaktoren vor, die den Jungen und Mädchen halfen, ihre widrigen Lebensumstände gut zu überwinden (Werner, E.E. a. R. Smith 1982).

  1. Schutzfaktoren des Individuums

    Diese Kinder riefen bei den sie betreuenden Personen als Kleinkinder positive Reaktionen hervor. Sie wurden als liebevoll, anschmiegsam, freundlich, "pflegeleicht" und aktiv beschrieben. Unabhängige Beobachter schätzten sie im Alter von 2 Jahren als angenehm, fröhlich, freundlich, aufgeschlosssen und gesellig ein. Diese Kinder waren in ihrer motorischen und sprachlichen Entwicklung weiter und konnten sich selbst besser helfen als diejenigen gleichaltrigen Kinder, die später Schwierigkeiten im Leben hatten.

    Als Zehnjährige hatten die Stehauf-Menschen bessere Testergebnisse hinsichtlich der Fertigkeiten in der Lösung praktischer Probleme. Sie konnten auch besser lesen als diejenigen, die später Lernschwierigkeiten oder Verhaltensprobleme entwickelten. Außerdem hatten die resilienten Kinder die besondere Gabe, stolz auf sich sein zu können (hohes Selbstwertgefühl) und sie halfen bereitwillig anderen Menschen, die Hilfe brauchten (Hilfsbereitschaft).

    Im fortgeschrittenen Jugendalter hatten diese Risikokinder den Glauben an die eigene Wirksamkeit  entwickelt und waren davon überzeugt, dass sie Probleme, mit denen sie konfrontiert waren, durch eigenens Handeln bewältigen konnten (Selbstwirksamkeit). Im Vergleich zu denjenigen ihrer Altersgenossen, die ihre Probleme nicht bewältigen konnten, waren ihre schulischen und beruflichen Pläne realistischer und ihre Erwartungen an ihr zukünftiges Leben höher.

  2. Schutzfaktoren der Familie

    Die untersuchten Stehauf-Menschen hatten schon früh in ihrem Leben die Gelegenheit, eine enge Bindung an eine Bezugsperson zu knüpfen, die kompetent und emotional stabil war und sensibel auf die kindlichen Bedürfnisse eingehen konnte. Diese Bezugspersonen kamen zum Großteil aus dem Umfeld der Kinder, z.B. die Großeltern, ältere Geschwister, Onkel und Tanten. Resilienzkinder scheinen ein besonderes Geschick darin zu haben, sich solche "Ersatzeltern" für sich zu bewinnen. Resiliente Jungen stammten meistens aus Familien, in denen eine männliche Person als Identifikationsmodell und Bezugsperson dienen konnte. Außerdem wurden diese Jungen immer wieder ermutigt, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Resiliente Mädchen kamen vorwiegend aus Familien, in denen Unabhängigkeit eine große Rolle spielte und in der eine weibliche Betreuungsperson ihnen zuverlässig Unterstützung gab. Außerdem waren viele dieser Familien religiös, was ihrem Leben einen Sinn und eine gewisse zusätzliche Stabilität verlieh.

  3. Schutzfaktoren des Umfeldes

    In der Jugend der Stehauf-Menschen verließen sich Mädchen und Jungen vorwiegend auf Gleichaltrige oder Ältere in ihrem Umfeld, wenn sie emotionale Unterstützung suchten oder einen Rat in besonderen Krisenzeiten brauchten. Dies konnten Lieblingslehrer sein, fürsorgliche Nachbarn, Eltern eines Freundes oder einer Freundin, ältere Betreuer, Pastoren oder Pfarrer, Jugendleiter oder Mitglieder kirchlicher Gruppen. Diese Personen dienten dann häufig als positives Rollenmodell.

Ein besonders auffälliger Befund der Studien war, dass sich die meisten der problembehafteten Jugendlichen bis zum Erreichen des mittleren Lebensalters stabilisiert hatten. Zwar lag die Mortalitätsrate im Alter von 40 Jahren bei der "ehemals Gefährdeten" leicht über der der resilienten Altersgenossen (4,4%) und weniger gefährdeten Vergleichspersonen derselben Geburtsjahrganges (2,8%) - verwiegend verursacht durch Unfälle und Aidserkrankungen -,  aber der Großteil der noch lebenden Personen hatte mittlerweile gelernt, Probleme zu bewältigen. Sie befanden sich in stabilen Ehen und beruflichen Situationen, waren mit ihren Beziehungen zu ihren Partnerinnen und Partnern sowie ihren Kindern zufrieden und hatten sich zu verantwortungsbewussten Bürgern ihres Gemeinwesens entwickelt. Ausschlaggebend für diese Wendepunkte im Leben dieser im Jugendalter problembehafteten Erwachsenen waren folgende Umstände:

Ursachen für die Stabilisierung im mittleren Lebensalter

  • Kontinuierliche Ausbildung an Fachhochschulen und Bildungseinrichtungen für Erwachsene
  • Schulische und berufliche Fertigkeiten, die die Männer während des Militärdienstes erworben hatten
  • Ehe mit einer stabilen Partnerin oder einem stabilen Partner
  • Hinwendung zu einer Glaubensgemeinschaft oder Kirchengemeinde, in der aktives Engagement verlangt wurde
  • Genesung von einer lebensbedrohlichen Krankheit oder einem Unfall
  • Psychotherapie (in einem geringeren Umfang)

Praktische Konsequenzen aus den Ergebnissen der Resilienzforschung

Erkenntnisse dieser Art relativieren die Annahmen, dass einmal gemachte schlechte Erfahrungen für das gesamte weitere Leben prägend sind und der Mensch seinem Schicksal hilflos ausgeliefert ist. Die heutige Resilienzforschung geht davon aus, dass jeder Mensch gewisse Resilienzfaktoren mitbringt und dass diese Faktoren auch bewusst breiter ausgebaut werden können oder einzeln trainiert und erweitert werden können. Dieses Wissen stimmt einen insofern zuversichtlich, als sie dem Menschen vor Augen führt, dass nicht alles im Leben vorbestimmt oder "Schicksal" oder reine Glücks- oder Pechsache ist. So lassen sich aus diesen Forschungsergebnissen nun diverse Anregungen für die Angewandte Psychologie herausgefiltert, die sich sowohl a) auf eine der Humanistischen Psychologie verpflichtende Politik, b) auf die Erziehung von Kindern und Jugendlichen, c) auf die eigene allgemeine Lebensplanung im Sinne einer ausgewogenen Work-life-balance, als auch d) auf die Nutzung dieser Erkenntnisse für die Persönlichkeitsentwicklung im beruflichen Bereich beziehen. Resilienz im Sinne einer größeren inneren Widerstandskraft kann durch geeignete Übungen auch im Erwachsenenalter trainiert werden..

Resilienzfaktoren im Beruf

Sieben wesentliche Faktoren scheinen den Ausschlag zu geben, wie Micheline Rampe in ihrem Buch "Der R-Faktor" (2005) beschreibt:

  • Optimismus,
  • Selbstakzeptanz
  • Lösungsorientiertheit
  • Fähigkeit zur Selbstmotivation
  • Die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen
  • Aufbau und Pflege eines stabilen sozialen Umfeldes
  • Eine umsichtige und realistische Gestaltung der eigenen Zukunft.

Diese und weitere Resilienzfaktoren können durch das Business-Coaching mit passenden Methoden gezielt entdeckt und weiterentwickelt werden. Resilient zu sein bedeutet jedoch nicht, dass Sie in Zukunft gegen alle  Widrigkeiten des Lebens gefeit sind. Wichtig ist, dass Sie Ihre Stärken beziehungsweise Ressourcen kennen und dass Sie bereit sind, an sich zu arbeiten. Dadurch lernen Sie, in Zukunft besser mit Krisen und verfehlten Zielen umzugehen. Prüfen Sie gerne einmal anhand der folgenden Liste, welche Wachstumsbedingungen für Resilienzfaktoren bei Ihnen schon vorhanden sind und waren.

Wachstumsbedingungen für Resilienz

Während  Ihrer Kindheit:

  1. Mindestens eine stabile verlässliche Bezugsperson
  2. Menschliche Unterstützung innerhalb und ausserhalb der Familie
  3. Positive Vorbilder
  4. Jemand, der mir angemessen Grenzen setzte
  5. Wohl dosierte soziale Verantwortlichkeiten durch Elternhaus oder Bezugsperson
  6. Individuell angepasste Leistungsanforderungen an mich
  7. Ein emotional offenes warmes Erziehungsklima

Heute:

  1. Ein mindestens durchschnittliches Intelligenzniveau
  2. Kommunikative Fähigkeiten
  3. Vorausplanendes  Verhalten
  4. Soziale Fähigkeiten wie Hilfsbereitbereitschaft etc.
  5. Realistische Zukunftsplanung
  6. Fähigkeit zur Selbststeuerung
  7. Lebenspraktische Fertigkeiten wie Selbstdisziplin und Beharrlichkeit
  8. Eigene, von mir entwickelte Ziele, die ich bewusst anstrebe
  9. Hohes Selbstwertgefühl
  10. Aktive Bewältigungsstrategien bei Problemen
  11. Das Gefühl, dass mein bisheriges Leben sinnhafte Zusammenhänge zwischen den einzelnen Lebensabschnitten hatte
  12. Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft
  13. Wertschätzung von Lesen und Schreiben als kulturelle Fertigkeit
  14. Motivation und Interesse am Lernen
  15. Hobbys, die mir Freude und Selbstbestätigung geben
  16. Positives Menschenbild
  17. Das Gute im Schlechten erkennen können
  18. Die Fähigkeit, sich zu distanzieren
  19. Humor
  20. Gelassenheit
  21. Gute Beziehung zur Natur

Nur nicht aufgeben

Auch wenn Sie nun der Ansicht sind, dass Sie weder in der Kindheit noch im Erwachsenenleben kaum über diese Wachstumsbedingungen verfügten oder verfügen, so lässt sich trotzdem in Ihrem Leben einiges zum Besseren verändern, indem Sie sich etwa von dieser Liste inspirieren lassen und einiges davon in Ihr Leben hineinnehmen, um in Zukunft mit Krisen und Misserfolg besser umgehen zu können und um Ihre Lebenszufriedenheit zu steigern. Lassen Sie sich vom Lebensmut und der Kreativität der Stehauf-Menschen anstecken. Widmen Sie sich Ihrer Persönlichkeitsentwicklung, durch Business-Coaching und Selbstcoaching mit der Positiven Psychologie, indem Sie sich ein tieferes Verständnis für Ihre inneren Prozesse erarbeiten.

In meinem Sachbuch "STEH AUF MENSCH! Über den kreativen Umgang mit Krisen und Misserfolg. Das Praxishandbuch" stelle ich dem Leser geeignete Maßnahmen zur Arbeit an sich selbst und zur Unterstützung seiner Resilienzfaktoren  vor, indem ich unter anderem die von Micheline Rampe  aufgeführten sieben Resilienzfaktoren erweitert habe und sie in einen größeren Sinnzusammenhang stelle, der sich an einem von mir neu entwickeltem Modell zur "Motivation nach Misserfolg" ausrichtet. Im folgenden finden Sie dazu einige Erläuterungen.

Hohes Selbstwertgefühl und die Selbstverpflichtende Zielbindung

Stehauf-Menschen unterscheiden sich von anderen Menschen darin, dass sie ihr Leben vorwiegend nach  den Richtlinien der sog. Selbstverpflichtenden Zielbindung und nicht nach der sog. Leistungsorientierten Selbstwertbindung ausrichten. Falls Stehauf-Menschen einmal einen Fehler, eine Krise oder einen großen Misserfolg erleben, dann nehmen sie diese Begebenheit "nicht persönlich", da sie ihr Selbstwertgefühl von negativen Ereignissen abgekoppelt haben: Wie ja auch Emmy E. Werner in ihren Langzeitstudien über die Resilienz der Kinder auf der Hawaii-Insel Kauai festgestellt hat,  verfügen die Resilienzkinder über eine ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Sie sind stolz auf sich und gleichzeitig auch hilfsbereit, wenn es darum geht, andere Menschen zu unterstützen. Stehauf-Menschen nehmen sich, trotz einer erlittenen Niederlage, als vollwertig und liebenswert wahr und erleben keine sog. Selbstwerteinbrüche. Sie sind in der Lage, sich durch Motivation nach Misserfolg um das Beheben des Fehlers, die Bewältigung der Krise oder die Korrektur des Misserfolges zu kümmern, indem sie dafür die Verantwortung übernehmen. Auf diese Weise sorgen sie auch für eine ausgewogene Work-life-Balance.

Niedriges Selbstwertgefühl und die Leistungsorientierte Selbstwertbindung

In der Regel jedoch leben die meisten Menschen nach den Richtlinien der Leistungsorientierten Selbstwertbindung: Habe ich einen Erfolg erzielt, dann bin ich o.k., also ein ehrenwerter Mitmensch - habe ich einen Misserfolg zustande gebracht, dann bin ich nicht o.k., bin persönlich auch ein Misserfolg, im schlimmsten Falle ein totaler Versager. Diese unglückselige Verknüpfung von Leistung und Selbstwertgefühl führt dazu, dass viele Menschen ein unzufriedenes Leben führen und ihr Selbstwertgefühl und ihr Wohlbefinden sehr schwach ausgeprägt sind. Ihr niedriges Selbstwertgefühl bremst sie aus und begünstigt es, dass sie zur "Rettung eines niedrigen Selbstwertgefühls" die Verantwortung für Misserfolge und Krisenbewältigung ablehnen. Sie schieben die Verantwortung entweder einer anderen Person oder "den Umständen" zu und verhindern damit häufig auch die Schadensbegrenzung. Sie verzichten darauf, ihre Probleme in die Hand zu nehmen und sich in ihrer Selbstwirksamkeit zu üben und zu bestätigen. Langfristig führt diese Haltung zu einer großen Lebensunzufriedenheit.

Stehauf-Menschen als Mutmacher

Durch das bewusste Training, sich von der Leistungsorientierten Selbstwertbindung zu lösen und sich in immer mehr Lebensbereichen der Selbstverpflichtenden Zielbindung zu widmen, können Sie positive Erfahrungen im Bereich "Motivation nach Misserfolg" machen. Jeder Mensch kennt den Zustand der Selbstverpflichtenden Zielbindung, indem er sich einer Aufgabe oder einem Thema widmet, die er selbst gewählt hat, die für ihn passend ist und für die er die geeigneten Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringt.  Während der Beschäftigung mit dieser Aufgabe gerät der Mensch häufig in einen selbstvergessenen, konzentrierten "fließenden Zustand" - den Flow -, wie Sie ihn aus Ihren eigenen Kindertagen erinnern werden, als Sie sich selbstversunken in ein Spiel begeben hatten: Zeit und Raum treten in den Hintergrund und Sie probieren so lange herum, bis Sie Ihre Aufgabe abgeschlossen haben - auch, wenn zwischendurch etwas schief läuft. 

Von diesen Lebenskünstlern können Sie etwas lernen. Interessanterweise  zeigen gerade  Künstler, Kreative, Kulturschaffende, Erfinder und Entdecker eine besonders hoch ausgeprägte Resilienz, indem  sie sich "in den Dienst einer höheren Sache stellen", der gegenüber sie sich selbst verpflichten.  Sie sind fasziniert  von einem selbstgewählten Ziel und arbeiten unermüdlich daran, dieses zu erreichen, ohne sich gleichzeitig um "die prestigebewusste Außenwirkung" oder um "gesellschaftliche Anerkennung und Erfolg"  zu scheren. Sie haben sich auch einen Teil ihrer positiven Kindheitserinnerungen bewahrt, in denen sie sich  ungehindert haben in ihre Phantasiewelten begeben können und das Leben auch als ein Spielfeld voller Überraschungen und möglichen Problemlösungen wahrnahmen. Sie haben  diejenigen Charakterzüge in sich ausgeprägt, die von der Positiven Psychologie als besondere Charakterstärken anerkannt werden. Und diese Charakterzüge und die von "Wundern" faszinierte innere Haltung haben die Stehauf-Menschen "herübergerettet" in ihr Erwachsenenleben, was sie befähigt,  ihr Leben bewusst zu gestalten und seine Klippen so mutig  wie möglich anzunehmen.

Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf. Vielen Dank!

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